Kopfkino wieder

Kopfkino wieder:
knospende Tagträume verschatteter Bedürfnisse.
Wir sommers am See.
Ich sag, ich mag sehr gerne
das Flimmern des Lichts in den Blättern
da oben über uns.
Du lachst leise,
immer, wenn ich was sag, lachst du.
Wir erzählen uns,
ruhige Gespräche, die sich langsam entfalten,
wie ein Roman.
Wir holen uns die Zeit zurück,
indem wir uns verlangsamen.
Langsam verstreicht sie,
angefüllt mit Nichtstun,
langsam lege ich
meinen Kopf
auf deinen Sonnenbauch,
und bleibe da so.

So here we are

So here we are
now, ich jetzt hier,
du da.
Du immer noch
jeden Tach in meinem Kopp,
aber mit der Zeit
ist das wie Zähneputzen.

Wat fürn Arschloch

Also ne Frau, ja,
also, die nächste Frau, ja,
also damit ich mich nochma so richtisch verlieben tät,
die müsst mich dann abba suchen und finden,
die müsst mir sowat von hinterherlaufen,
mir Blumen schenken und die Tür uffhalten,
und coole CD`s uffnehmen, mit selbstgebasteltem Cover,
mir Liebesbriefe schicken
und kleene, schnuckelige SMSen.
Die Frau, die müsst mich nackend in Öl malen
und mir Gedichte widmen,
mir das Haar kämmen, den janzen Körper massiern
und mich nachts innen Schlaf lesen.
Also die müsst überhaupt
immer für mich da sein und allet für mich tun und ich,
ich wär einfach nur da.
Dann tät jeder über mich sagen: Mann,
wat fürn Pascha, wat fürn Macho,
wat fürn riesen Arschloch.
Ich würd dann sagen: hey, ich hab se um nix gebeten.
Und wenn se dann irgendwann doch ma
anfängt rummzustressen und am Rad dreht,
dann schieb ich se einfach ab,
dann verpass ich ihr nen Arschtritt oder noch besser:
ich meld mich einfach nie mehr bei ihr, ich ignorier se komplett.
Dann nehm ich mir ne neue, jüngere,
ne kleene, süße Kuschelteddymaus,
zum unter die Arme klemmen.
Dis wärs.

Getragen

Um sieben früh in der Tram,
auf dem Weg nach Mainz,
- Züge, immer Züge -
sagt eine sehr junge Frau zu einem Mann:
„An dem Tag hab ich dich ins Herz geschlossen.
Da bei dem Basketballspiel.
Wir alle zusammen, wir haben so viel gelacht
und du hast mich getragen.“
Dann auch noch Radiohead oben drauf,
bist du
sofort wieder in mir drinn.
Ich hätte dich auch
durchs Leben getragen.
Ich atme dich.
Meine Augen träumen dich.
Ich schlafe in dir.

auch scheißegal

Durch den Wald rasen – Dämmerung – bestimmt 40 Sachen – links Rascheln im Gebüsch – eine Wildsau wahrscheinlich – noch schneller – treten – Puls pocht – Beine bilden eine rotierende Scheibe usw. – Geschwindigkeitsrausch kraft eigenen Körpers – iss geil – den eigenen Kreislauf spüren – tief atmen – Waldluft – tief – aufm Player nacheinanderweg – TV On The Radio – Wolf Like Me – Marianne Faithful – Sliding Through Life On Charm – Arcade Fire – Neon Bible – fünf Kilometer in drei Songs – rechts blitzt kurz zwischen einer Bäumelücke der volle Mond überm Müggelsee – laut rufen: – „Mensch is das scheißeschön“ – in den Wald – bei Arcade Fire am Ende des Waldes – plötzlich lauter Lichtgedanke im Kopf: - „Ich will dich wieder haben“ – sofort Erdungsgedanke: - „Du verrennst dich, Junge. Du beißt dich fest.“ – unten im Tunnel unter dem See Carlos Cardel – nur meine Schritte hallen dazu und mein Puls – das Rad geschultert, die Treppen rauf – weiter, weiter – aufschreiben, schnell! – wozu? – auch scheißegal – ach so – der Song danach war fürn Arsch – wieso hab ich den überhaupt?

Du das Weibliche

Du, das Weibliche
bist Zentrum, zeitloses,
unbewegtes Mondgestirn, empfängst du
oder verschließt dich.
Wie Sternenstaub kreise ich
um dich, träumen meine Augen dich,
laufe ich umher, suche, biete an.
Du schweigst.
Ich rede immer
und immer viel zu viel.
Wortreich kreise ich Sternenstaub
um dich und um mich und du,
du schweigst.

Herbst

Bäume bluten Blätterrauschen
Halluzinierende Töne
Deine Fantasie springt lichterloh
Wennsch die Kastanie lang lauf,
werdsch ganz hippelisch.
Ei isch hab ja kein fon.

Die verheulten Hände heben (nochn Remix)

Die verheulten Hände heben und
in eine sanfte Wiese legen.
Einen Windhauch auf der Haut,
brennen Bäume Schatten
in mein Gesicht. Schatten
durchwandern den Mond.
Ich will mit deinen Händen reden.
Ein Wort
versinkt im blauen Raum,
versinken schimmernd die Tage.
Ich will mit deinen
Händen reden. Ein Wort
versinkt im blauen Raum.
Ich habe Sehnsucht
Nach deinem Fleisch, deiner Haut.
Schließe die Augen.

Im Traum heut Nacht

Im Traum heut Nacht
rang ein Mann
heftig und lang
mit einem sehr großen Hund.
Am Ende war der ganz klein
und der Mann schlug den Kopf
des Hundes gegen eine Metallstange,
wieder und wieder, solange
bis der Hund tot war.

Manchmal möcht ich

Manchmal möcht ich mich
einfach wo hinsetzen,
nachts in der Stadt, an einen stillen Platz,
etwas abseitig,
aber mit Leben drum herum,
und den Menschen zusehen
wie sie vorbei treiben
und solange sitzen bleiben,
bis jemand kommt, aber
es kommt keiner.
Also sitz ich bloß so rumm.
Kenne das Leben,
bin auf Facebook gewesen.
Asphalt schimmert im Regen.
Rauschen der Bäume
im Wind. Einfach weggehen,
steht immer im Raume.
Das Herz lässt nicht los.
Es träumt den Tag, an dem es
wieder bei dir schlägt.

Morgens beim Aufwachen

Morgens beim Aufwachen,
wenn ich noch ganz wehrlos bin,
überfällt mich oft
eine Stimme, die sagt:
„Du bist nicht liebenswert. Du reichst nicht.“
Ein ganz ungehöriger,
ein ganz unanständiger Gedanke.
Aber der ist erstmal da und der will
erstmal weggewischt sein.
Nach zwei Stunden Schlaf
werde ich vom Regen wach. Nein,
ein böser Traum wars.
Der alte Affe
Sehnsucht ist ein fieses Ding.
Nachts werd ich oft wach.
Ein Paar geht vorbei.
Jeder trägt einen Holzbock.
Ich weine ein wenig.
Abendlicht, schräg von links.
Meine Wiese saftig grün.
Schöner wärs mit dir.

Das Leben

Verfickte Scheiße nochmal!!
Los jetzt!
Mach schon!
Hallo?!
Wir müssen. Es ist schon spät,
verdammt spät.
Herrgott, ich hab jetzt echt keine Geduld mehr
mit dir!
Es reicht!!
Mir reichts!
Hörst du?
Es kam nicht.
Es schwieg.

Sommergewitter

Das Leben rinnt mir
Durch die Finger
Wie Wasser
Verwische meine Spuren
Verschwinde. Los jetzt!
Wohlklang:Blätter rauschen
wellenweit

Heut früh um neune

Heut früh um neune traf ich
auf der Strasse eine Frau.
Sie schob nen Kinderwagen
Und lief mit „Hallo“ auf mich zu.
Ich fragte sie, ob wir uns kennen,
sie antwortete „Nö“ und sprach mit Akzent,
ob ich bei mir zu Hause
schon eine Frau zu sitzen hätt.
Ich log „jaja“ und:
„ich muss weiter“
denn sie war sehr dick und schmuddelig.
Und in ihrem Wagen, da lagen
nur lauter leere Flaschen drinn.
Soll mal noch einer sagen,
dass mein Leben keine schönen
Überraschungen mehr hat.

so

Als ich noch ein Junge war,
wollte ich immer raus aus der Welt,
in die Einsamkeit der Wälder
von Kanada oder so.
Und keiner wüßt dann, wo ich bin
Es scheint, jetzt komm ich innerlich
so langsam dahin an.
So richtig wohl und sicher
fühl ich mich nur
mit guten, alten Freunden
und wenn ich für mich alleine bin.
So auf einer Wiese liegend,
nächtens mit Sternen drübber.

Schlampe

Eine Hure, eine Schlampe ist,
wer sich dem hingibt,
der am meisten bietet.
Einer Katze gleich,
neunmal lebend,
neunmal liebend.
Immer da,
wo das beste Fressen ist.

Ich wünsche mir eine Schatztruhe

Ich wünsche mir eine Schatztruhe,
eine große und sehr alte,
geeignet
alle Dinge meiner Vergangenheit
darin anzuhorten.

Ich wünsche mir ein Büchelein,
ein kleines mit leeren Seiten
geeignet
alle Gefühle meiner Gegenwart
und alle Träume meiner Zukunft
darin niederzuschreiben.

Das Leben: kein Film

Gleite leise wie ein Geist
durch die Nacht, durch die Stadt,
auf den Strassen,
auf dem Asphalt
bin ich zu haus.
Träumend hinter der Stirne,
mein verschenktes Herz in der Hand:
Stumm wie Rinde.
Und Häuser ziehen
und Menschen.
Nachtsommerwinde, surrende
Räder unter mir.
Orte – Plätze – Blicke.
Finde ich einen, der mir gefällt,
halte ich kurz und raste.
Und jedes Mal wünschte ich dann,
ich könnt ihr das zeigen.
Und jedes Mal wünschte ich dann,
sie wäre auch hier.

Ich schlaf wieder schlechter

Ich schlaf wieder schlechter
in letzter Zeit.
Während der Tage,
fühl ich alles gedämpft als läge
ein Filter über den Dingen.
Ich glaube mein Herz trägt langsam
wieder kleine Knospen
und etwas in mir
wehrt sich stark dagegen.

Unten im Treppenhaus

Unten im Treppenhaus
die aufgereihten Kinderwagen
riechen nach Babykotze
und alter, angetrockneter Milch.
Das von nebenan
schreit die ganze Nacht;
schon seit Monaten.
Die Eltern sehen aus wie Zombies,
aber sie ziehen das wohl durch.
Könnten ja auch sagen,
sie gebens wieder ab.
Könnten ja auch sagen,
sie machen ein Neues.
Eines was besser passt,
eines was nur lieb und still,
eines was nie anstrengt,
eines was keine Energie absaugt.
Manche machen so was ja.
Die sind dann nicht satt
von sich selbst.
Ich liege jetzt oft wach und denk:
Muss verdammt aufpassen,
dass ich nicht langsam
alt und verbittert werd.

Irgendwie so

Ein Traum, den ich träumte:
Mit meiner großen Liebe
Gemeinsam alt werden.
Meine große Liebe
Das warst du.
Was nun tun?
Weiterleben
Irgendwie
So.

Traumfrau

In einem Traume traf ich sie.
Sie war sehr klein und hatte
schwarzes Haar zu einem Pagenschnitt.
Auf ihrer Nase trug sie
einen kleinen, indischen Elefant tätowiert.
Wir hatten eine Nacht.
Sie war sehr nass und als ich
am nächsten Morgen
mein Gesicht in sie tauchte,
roch sie immer noch gut.
Sie musste dann gehen und sagte,
wir würden uns wieder sehen.
Dieses Mal hab ichs geglaubt.

Ein kleines Etwas

Ein kleines Etwas
kommt zu sich selbst.
Mach das Licht aus!
in mir
wenn du gehst.

J.M. hat gesagt

J.M. hat gesagt,
er hat geweint
aufm National-Konzert.
Und der hat
schon so einiges gesehen und gehört.
Ich nicht.
Ich hatt die ganze Zeit so ein
ineinanderfestgesaugtes Pärchen
vor meiner Nase.

Das letzte Mal war bei Radiohead,
letzten Sommer
in Posen, Polen.
Neben mir stand eine junge Frau allein.
Die hat auch geweint.
Hab sie aber nicht angesprochen.
Ich kann ja kein polnisch.

Und dann noch mal
irgendwann vor Weihnachten.
Da hamse „Tatsächlich Liebe“ gezeigt.
Hab gar nix mitgekriegt,
weil ich Rotz und Wasser flennte,
den kompletten Schinken durch.

Ach und dann noch mal letztens
mit dem Rad auffer Potse,
ganz plötzlich, kurz, heftig.
Da hatt ich nen Song
(Stuart A. Staples - That Leaving Feeling)
im Ohr.

Du bist das Letzte

Du bist das Letzte
Woran ich denke
Wenn ich abends einschlafe
Und das erste
Wenn ich morgens aufwache.

Dein Hund

Ich bin dein Hund.
Der, den du fortgejagt.
Der, mit dem Hundeblick.
Jetzt lauf ich winselnd wirr herum,
schnuppere alles und jeden an
und such meinen Weg
nach Hause.

Splitter Cote d`azur

Nachmittag

Wir alle zusammen am Strand,
Sand und Sonnenbrand auf der Haut.
Dahinter im Dunst, dunstige
Hügelketten über dem Wasser.
Blau, auch blau.
Einmal himmelblau, einmal meerblau,
einmal hügelblau. Zum Mitnehmen.
Weil mich hungert nach dir,
esse ich den ganzen Tag
fettige Pommes Frites
rot-weiß.
Und heute Abend wieder großes Fröschekonzert in Moll.


Morgen

Ich wachte auf und dachte
ich träumte
und ich träumte, ich sei aufgewacht:
Ich saß in einem Garten,
großes südfranzösisches Morgenlicht von rechts
kuschelt weich eine Wiese.
Ein einzelner Baum gegenüber – groß
und Lavendelduft und von Rosmarin
überall in der Luft.
Immer noch unangefasst
liegt der Don Quijote vor mir.
So sitzend vertreibe ich
die bösen Geister des Schlafs, der Nacht:
die drei fiesen, alten Affen
Angst – Hoffnung – Sehnsucht.


Nacht

Laufe durch die Strassen
hügelauf, hügelab.
Hinter hohen Mauern die Häuser
tragen hier noch Namen.
In der Ferne bellt ein Hund.
Ich hab viele Schichten,
wie eine Zwiebel.
In der untersten bin ich
traurig und trage
ein wundes Herz.


Nachtrag

Ich sitze auf meiner Terrasse,
Devendra Banhart hörend kommt
die Sonne grad runter
und die Kirchbäume explodieren.
Als wir kamen zu M.`s Haus
war diese Musik
überall in den Räumen
und der Raum und das Haus und ich dacht,
ich bin in einem Traum oder einem Film
oder zu haus.
Manchmal,
da ist mir das Herz so schwer
und dann wieder ganz leicht.
So kommen und gehen die Tage,
stille, verträumte Tage.
And I remember everything.
Ja, ich erinner mich an alles.
Sitzend unter Strohdächern am Strand,
fackelten wir Feuerwerke
ab und traumtanzend
Zukunftspläne schmiedend
vom Auswandern,
träumten wir
von Kindern mit wilden lockigen Haaren
und sehr leuchtenden Augen und
„hey, kaufst du mir das Haus da?
Ja, das da oben auf den Klippen.“
Manchmal
geht für einen kurzen Moment
ein kaum wahrnehmbares Zittern der Sehnsucht
durch die Menschen.
Und dann berühren sich zwei
und dann verkriecht sich jeder
zurück in seiner Nische und
jeder träumt.

Weiß er?

Weiß er, dass dein Haar
nach Aprikosen duftet?
Weiß er, dass dein Lächeln
manchmal wie das von Meg Ryan aussieht?
Weiß er, wie sich dein Atem
übers Telefon anhört, wenn du
gerade eingeschlafen bist?
Weiß er, dass deine Iris,
wenn das Licht aus einem bestimmten Winkel darauf fällt,
aussieht wie eine braune Blume?

Was ich weiß

Ich weiß, ich habe dich echt geliebt.
Unmessbar, unmäßig, ungeduldig.
Ich habe mich müde geweint um dich
und manche Nacht aufgerieben.
Ich weiß, ich wäre geblieben.
Doch du, du wolltest das nicht.
Nun möcht ich gern dankend
in die Arme dich nehmen
und flüstern:
alles ist gut, wie es ist.
Und dann „Say a little prayer for you” aus dem Off.
Und dann lächle
und dann geh,
aber langsam und leis.
Ich weiß, ich hab dich berührt.

Auch an dich

Manchmal, da vergess ich es.
Ich mache so dies und das.
Ich baue ein Haus,
ich hör viel Musik
und bin oft draußen auf der Strasse unterwegs.
Ich schau mich nach andern Frauen um
und biet mich überall an.
Auf einmal kommt so n Song um die Ecke und
plötzlich ist es wieder da.
und dann fällt es mir wieder ein,
wie dein Lächeln war
und dein Atem im Schlaf,
und wie dein Haar gerochen hat.

Hast mir früher besser gefalln

Hast mir früher besser gefalln.
Da warste weicher, zarter, schüchtern.
Bist jetzt wohl ne richtige Frau geworn
Und hochdeutsch sprichsde ooch nich mehr.
Das is echt voll okay.

Ich denk, ich hab mir nur was ausgemalt
und Rolltreppen fahr ich jetzt auch keine mehr.
Muss ich immer an uns denken.
Nehm lieber die Treppe,
immer zwei Stufen auf einmal.

Ich tät´s ja noch wollen,
du aber nich.
Da kann mer halt nix mache.

Dinge die bald aufhören

Notmasturbieren und Nasenbohren.
Nikotin und Coffein.
Süßessen und Fettessen.
Ständig über mich denken.
Ständig an sie denken.

Remix

Ich hab keinen Stil,
den hat ich noch nie.
Bei mir reimt sich garnix zusammen,
ist alles eher gebrochen.

Ich bin sehr offen. So offen,
dass ich durchlässig bin.
Ich klaub mir alles zusammen,
was mir kommt in den Sinn.

Ich kann die Platte nicht löschen,
den ganzen Kram, der mal war.
Die wird immer voller, je älter ich werd,
also remix ich mich selber neu.

Lavendelfelder und Sternschnuppen

Lavendel hatten wa draußen noch keenen
im letzten Jahr.
Abba dafür Sternschnuppen satt.
Hab jedes Mal die Augen zugepetzt
Und mir feste gewünscht,
du kämest ma rumm.
- Bisde abba nich.

Vielleicht kommst ja dies Jahr,
wenn der Lavendel erstma blüht.
Und wenn nich,
ham wa wenigstens Sternschnuppen,
die auf Lavendelfelder regnen.
Das is ja dann auch schon was.

Wenn man jemanden verlässt

Wenn man jemanden verlässt,
sollte die Welt still stehen,
für den zurückgebliebenen Geliebten.
Wenn etwas stirbt,
sollte die Welt innehalten.
Tut sie aber nicht.
Sie macht einfach weiter, als ob nichts wäre.
Das ist das eigentlich Traurige daran.

Alle Alter

Meine Gedanken und die Haut meiner Hand
sind so alt wie ich bin.
Die Art wie ich lebe,
ist zehn Jahre jünger
und vom Aussehen werd ich gern
auf siebenunddreißig geschätzt.
Meine Empfindungen sind
alle Alter,
die ich je war.

Aus der Ferne

Ich denke sehr oft voll Freude an sie
und an die Zeit, die wir hatten.
Ich würd sie gern spürn lassen,
wie wertvoll sie ist.
Das geht nur so schlecht
aus der Ferne.

Letzten Sommer

Im letzten Sommer lag ich
auf dem Boden meiner Hütte
in einen Schlafsack gerollt.
Plötzlich warst du im Raume.
Du standest da und sagtest
ganz deutlich und laut:
„Du, ich mach mir Sorgen um dich.“
Da wachte ich auf, doch da war
nur den Mond
der durchs nackte Fenster kroch.

Ich würde gern mal mit ihr

Ich würde gern mal mit ihr
auf einer Nachwiese liegen
und unter dem stillen selben
ihre mondenden Brüste küssen.

Und dann laufen wir
über alle Dächer unserer Stadt
wolkenfangend
Häuserblock für Häuserblock.

Lied vom Herumlaufen

In meiner rechten Manteltasche ist ein Loch,
da passt ne Mateflasche rein.
So streif ich nächtens um die Häuser.
Ich guck mir ihre Fassaden an
und ihre lichtenen Fenster.

Und ich hör Musik
(immer random und laut)
Und ich lauf und ich rauch
und ich such
ach, ich weiß auch nicht was.
Das ist, was ich mach.
Das ist, was ich bin.
Was denn noch?
Was denn noch?

Jeden Tag

Jeden Tag purzeln
kleine Erinnerungen in mein Zimmer.
Still wie Nachtfalter kommen sie
einfach so zur Balkontür herein.
Und jedes Mal wenn sich
leise der Vorhang bewegt
weiß ich: ach, wieder eine.
Überall auf dem Boden liegen so
Momente verstreut
und an den Wänden stapeln sich Augenblicke
nach oben.
Geruchsfetzen
Gedankensplitter
Bilderscherben
Man kann kaum noch geradeaus gehen,
muss ständig aufpassen,
dass man nirgendwo rein tritt.
Ich muss hier echt mal aufräumen
bei Gelegenheit.
Die schlechten wisch ich einfach weg.
Aber für die schönen
hab ich noch nix passendes gefunden,
wo ich sie hinpacken könnt.

traumtrunken

I.
wir lagen beieinander
so in den morgen hinein.
traumtrunken ruhten die dinge
und wir waren aus der zeit gefallen.
du schliefest bäuchlings,
ausgestreckt wie das bild einer frau
an meiner wand.
ich sah dir gern zu dabei
und mein blick zeichnete
jede einzelne haarlocke auf deiner schulter nach.
aprikosenen.
und ich weiß noch, ich dacht:
das ist doch alles nicht wahr hier.
Ab und zu zuckte dein bein.

II.
Jetzt bist du anderswo und ich suche
Schlaf.
Wache auf jede Nacht
so um vier
mit Panik und Atemnot, gedankenwildwuchernd und traumzermürbt.
Der Zeit will ich vertrauen
und dem Herz
das noch schlägt
und dem Atem
der alleine geht.
Ich bleibe wohl noch.

Was fehlt

Dies eine Lächeln, das sie nur manchmal zeigte.
Obwohl ich Meg Ryan nie leiden konnt.
Ihre musikalischen Inspirationen.
Obwohl ich vieles jetzt nicht mehr hören kann.
Und der Duft ihres Haares, aprikosenen.
Obwohl ich mich jetzt nicht mehr darin verirren kann.

Augenblick

Wir wollten
uns
unsere
Orte zeigen
und kamen doch nur
zu einem miesen, tranigen Inder
auf der Prenzlauer Promenade.
Aber
in meiner Er-
Innerung
wars schön da.

Heut früh

Heut früh
beim U-Bahnhof-Bäcker.
Eine Schlange von fünf Leuten.
Die Frau vor mir schaut sich
unentschlossen die Auslage an,
so dass ich vor ihr rann komme.
„Bitte“ sagt die Bedienung zu mir.
Ich antworte:
„Die junge Frau da war zuerst.“

Wer macht so was schon?

Ein Traum

Ich träumte,
wir hätten uns getroffen.
Wir lagen beieinander
und unterhielten uns.
Du fragtest, ob ich bleiben möcht.
Ich meinte, aber was sei
mit dem anderen.
Du sagtest,
er könne es besser verkraften
als ich,
wenn du ihn verlässt.
Du sagtest,
er sei mehr wie du.

Es schneit

Es schneit.
Alles zu.
Welt gedämpft.
An der Tram-Haltestelle geht eine Frau
mit Regenschirm geduckt an mir vorbei.
Ich halte
mein Gesicht hoch in den Schnee
und freue mich wie ein Kind
und darüber, noch so zu sein.
Auf meinem Player läuft „The National“.
Ja, schön wie deine Seele. Ja.
Ich möchte dich gern wiedersehen
Der Don Quijote in Pankow, ja, ja.

Durch die Duncker stapfen zwei Männer
mit Pappschildern
auf dem Rücken.
Auf denen steht:
Die Liebe, mein Freund, die Liebe
das sind die Windmühlen.
Ja, sag ich,
ich weiß es ja.
Ich sah sie einst, die große, echte.
Als sie mich sah,
bog sie schnell
um die nächste Häuserecke.