Splitter Cote d`azur

Nachmittag

Wir alle zusammen am Strand,
Sand und Sonnenbrand auf der Haut.
Dahinter im Dunst, dunstige
Hügelketten über dem Wasser.
Blau, auch blau.
Einmal himmelblau, einmal meerblau,
einmal hügelblau. Zum Mitnehmen.
Weil mich hungert nach dir,
esse ich den ganzen Tag
fettige Pommes Frites
rot-weiß.
Und heute Abend wieder großes Fröschekonzert in Moll.


Morgen

Ich wachte auf und dachte
ich träumte
und ich träumte, ich sei aufgewacht:
Ich saß in einem Garten,
großes südfranzösisches Morgenlicht von rechts
kuschelt weich eine Wiese.
Ein einzelner Baum gegenüber – groß
und Lavendelduft und von Rosmarin
überall in der Luft.
Immer noch unangefasst
liegt der Don Quijote vor mir.
So sitzend vertreibe ich
die bösen Geister des Schlafs, der Nacht:
die drei fiesen, alten Affen
Angst – Hoffnung – Sehnsucht.


Nacht

Laufe durch die Strassen
hügelauf, hügelab.
Hinter hohen Mauern die Häuser
tragen hier noch Namen.
In der Ferne bellt ein Hund.
Ich hab viele Schichten,
wie eine Zwiebel.
In der untersten bin ich
traurig und trage
ein wundes Herz.


Nachtrag

Ich sitze auf meiner Terrasse,
Devendra Banhart hörend kommt
die Sonne grad runter
und die Kirchbäume explodieren.
Als wir kamen zu M.`s Haus
war diese Musik
überall in den Räumen
und der Raum und das Haus und ich dacht,
ich bin in einem Traum oder einem Film
oder zu haus.
Manchmal,
da ist mir das Herz so schwer
und dann wieder ganz leicht.
So kommen und gehen die Tage,
stille, verträumte Tage.
And I remember everything.
Ja, ich erinner mich an alles.
Sitzend unter Strohdächern am Strand,
fackelten wir Feuerwerke
ab und traumtanzend
Zukunftspläne schmiedend
vom Auswandern,
träumten wir
von Kindern mit wilden lockigen Haaren
und sehr leuchtenden Augen und
„hey, kaufst du mir das Haus da?
Ja, das da oben auf den Klippen.“
Manchmal
geht für einen kurzen Moment
ein kaum wahrnehmbares Zittern der Sehnsucht
durch die Menschen.
Und dann berühren sich zwei
und dann verkriecht sich jeder
zurück in seiner Nische und
jeder träumt.

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